Deutscher Dissertationspreis Pneumologie für Dr. Hilal Ersöz: Forschung zu geschlechtsspezifischen Unterschieden beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ausgezeichnet
Beste klinische Forschungsarbeit: Dr. med. Hilal Ersöz, Assistenzärztin in der Thoraxklinik des Uniklinikums Heidelberg, erhält den Deutschen Dissertationspreis Pneumologie 2026 der Deutschen Lungenstiftung (DLS). Die Preisträgerin untersuchte geschlechtsspezifische Unterschiede bei der seltenen Stoffwechselerkrankung Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATM) und hat wertvolle neue Erkenntnisse gewonnen. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wurde heute beim Pneumologie-Kongress in München feierlich überreicht.
Jurymitglied Prof. Kathrin Kahnert lobte die Leistung der ausgezeichneten Arbeit: „Die Dissertation von Dr. Hilal Ersöz zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in der Analyse großer Registerdaten liegt. Besonders der Fokus auf geschlechtsspezifische Unterschiede liefert wichtige Hinweise für zukünftige Forschung und für eine stärker individualisierte pneumologische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen wie AATM.“
Patientendaten aus europäischem Register bildeten Grundlage
h2Im Rahmen ihrer Dissertation analysierte Dr. med. Hilal Ersöz mit ihrem Team Patientendaten aus einem europäischen AATM-Register. Untersucht wurden 1.283 Patientinnen und Patienten – davon 650 Männer und 633 Frauen – mit einer schweren genetischen Form der Erkrankung. Ziel war es, mögliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich Risikofaktoren, Krankheitsverlauf und Begleiterkrankungen zu identifizieren. AATM ist eine erbliche Stoffwechselstörung, bei der ein Schutzprotein der Lunge nicht ausreichend gebildet wird. Dadurch steigt das Risiko für Lungenerkrankungen.
Daten zeigen: Männer haben schlechtere Lungenfunktion als Frauen
Männer berichteten beispielsweise häufiger über Risikofaktoren wie Rauchen oder berufliche Schadstoffexposition und wiesen häufiger COPD und Lungenemphyseme auf. Frauen litten dagegen häufiger an Bronchiektasen, krankhaften Erweiterungen der Atemwege. „Aus der Klinik wissen wir zudem, dass Männer solche Gesundheitsprobleme wie Auswurf eher angeben als Frauen, bei anderen Symptomen wiederum Frauen mehr berichten und Männer weniger. Solche Unterschiede besser zu verstehen, ist wichtig für die Medizin der Zukunft“, erklärt Hilal Ersöz. „Nur wenn wir als medizinisches Personal unsere Wahrnehmung von Patientinnen und Patienten kritisch hinterfragen und wissen, wie sich Krankheiten bei Männern und Frauen unterschiedlich entwickeln, können Diagnostik, Prävention und Therapie langfristig individueller gestaltet werden. Ich würde mir wünschen, dass das in ein paar Jahren Standard ist!“
Erkrankung wird häufig spät erkannt
Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft den Diagnosezeitpunkt: Vom Auftreten erster Symptome bis zur endgültigen Diagnose vergingen im Durchschnitt mehr als zehn Jahre. „AATM wird noch immer zu selten oder viel zu spät erkannt“, betont Preisträgerin Ersöz. „Es braucht hier mehr Aufmerksamkeit, um betroffene Menschen früher zu identifizieren und besser zu behandeln!“ Die Ende Februar komplett überarbeitete S2k-Leitlinie COPD empfiehlt daher heute, alle COPD-Patientinnen und -Patienten auch auf einen AATM-Mangel zu testen.
„Gerade weil AATM eine seltene Erkrankung ist und geschlechtsspezifische Medizin noch vergleichsweise wenig erforscht wurde, bedeutet der Gewinn des Dissertationspreises der Lungenstiftung für mich und die gesamte Forschungsgruppe eine große Wertschätzung“, sagt Dr. Hilal Ersöz. „Das Thema ist uns wichtig. Auch möchte ich mich noch einmal ausdrücklich bei meinem Team in Heidelberg bedanken: Meiner Doktormutter Prof. Franziska C. Trudzinski, Dr. Phillip Höger und Arturo Olivares Rivera. Sie alle haben mich maßgeblich unterstützt!“
Über die Dissertationspreise der Deutschen Lungenstiftung
Die Deutsche Lungenstiftung (DLS) verleiht den „Deutschen Dissertationspreis Pneumologie“ zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die beste klinische und die beste experimentelle Dissertation auf dem Gesamtgebiet der Pneumologie. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 6.000 Euro wird von der Firma Boehringer Ingelheim Pharma gestiftet. Die Bewerberinnen und Bewerber dürfen das 35. Lebensjahr beim Abschluss des Promotionsverfahrens nicht überschritten haben und die wissenschaftlichen Grundlagen der Arbeit müssen an einer Universität mit Sitz in Deutschland erarbeitet worden sein. Zusätzlich zur Originalarbeit ist eine deutschsprachige Zusammenfassung einzureichen. Das Promotionsverfahren muss abgeschlossen sein.
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