Wilhelm und Ingeborg-Roloff-Preis

Ausschreibung 2015/2016

Einsendeschluss 15.01.2017

„Der neue Tbc-Bazillus ist fast immer tödlich“, "Noch mehr resistente Tuberkulose-Erreger", "Warnung vor Super-Bakterium" -   Schlagzeilen wie diese sind in den letzten Jahren nicht selten. Sie deuten auf die Rückkehr einer Epidemie, die man für längst überwunden hielt - die  Tuberkulose. Und sie zeigen (wenn auch längst nicht immer) auf ein Fach, das sich damit sehr stark befasst. Es ist die Lungenheilkunde, die Pneumologie.

Oft wird dabei diese Disziplin gar nicht erwähnt. So ist es auch bei anderen Lungenkrankheiten, selbst wenn unter ihnen Millionen von Menschen leiden, etwa bei Asthma, Bronchitis und cystischer Fibrose. Das gilt sogar für eine der häufigsten und lebensbedrohlichsten Leiden, die Lungenentzündung. Sogar bei den zurzeit in allen Medien heftig diskutierten Folgen des aktiven und des erzwungenen Rauchens kommt die Pneumologie sehr oft zu kurz. Das betrifft generell jene Leiden, die mit den Atemwegen zusammenhängen. Fast jeder weiß, wie wichtig gute Luft und richtiges Atmen ist, wie stark davon gesundes Leben abhängt, doch die Medien machen nur selten bewusst und konkret darauf aufmerksam.

An diesen Defiziten will der Medienpreis der Deutschen Lungenstiftung, der Wilhelm und Ingeborg Roloff-Preis, etwas ändern. Er wird alle zwei Jahre ausgeschrieben. Ihn können Journalistinnen und Journalisten für vorbildliche Darstellungen all jener Themen bekommen. Dieser WIR-Preis wurde 1998 durch die Frau des damaligen Bundespräsidenten, Christiane Herzog, erstmals überreicht; die diesjährige Preisverleihung am 19. März 2015 in Berlin war die zehnte. Bisher wurden Beiträge u. a. des „Spiegel“, des WDR, des NDR, des SWF, des ZDF, von Vox, dem Deutschlandfunk, der FAS, von RTL und aus Regionalzeitungen prämiert.

Der erste Preis ist mit 3000 Euro dotiert, der zweite mit 2000 Euro. Die bisherigen Übergaben an zwanzig Journalistinnen und Journalisten aus Presse, Hörfunk und Fernsehen fanden in Berlin (dreimal), Regensburg, Jena, München und Mannheim (zweimal) in Verbindung mit pneumologischen Veranstaltungen statt.

Nach wem ist der Preis benannt, wer sind die Stifter? Die Mittel dafür stammen von den vier Söhnen des Lungenfacharztes und Tbc-Forschers Dr. med. habil. Wilhelm Roloff – er starb 1949 als Chefarzt der Lungenheilstätte Donaustauf bei Regensburg – und dessen Ehefrau Ingeborg Roloff. Sie war medizinisch-technische Assistentin und befasste sich ebenfalls sehr mit pneumologischen Fragen.

Nach ihrem Tod 1996 entschlossen sich die Söhne Dieter, Volker, Gösta und Eckart Roloff, in Zusammenwirken mit der Deutschen Lungenstiftung diesen Preis zu begründen. Sie wollten und wollen weiterhin im Sinne ihrer Eltern, jedoch auch im Interesse der Allgemeinheit etwas zur Aufklärung über die Leistungen dieses wichtigen, aber selbst an Universitätskliniken oft vernachlässigten Faches tun, wie das auch die Weißbücher der Lungenstiftung bemängeln. Wilhelm Roloff ist Autor der Fachbücher „Die Lungentuberkulose“ (Springer 1948) und des „Tuberkulose-Lexikons“ (Thieme 1949).

Es ist nachgewiesen, dass in Deutschland Lungenkrankheiten nach Herzleiden und Krebs an dritter Stelle der Todesursachen stehen. 40 Prozent aller Todesfälle auf Intensivstationen werden durch Lungenkomplikationen verursacht. Doch an unseren Universitäten gibt es für das Fachgebiet Pneumologie nur wenige C-4-Professuren und Fachkliniken. Bayern beispielsweise hat trotz seiner vier medizinischen Fakultäten keinen einzigen dieser Lehrstühle, Baden-Württemberg nur einen. Das hat negative Folgen für die medizinische Ausbildung, die Früherkennung und die Versorgung der möglichen Patienten – und könnte Journalisten reizen, darüber zu schreiben und zu senden.

Bewerbungsschluss:15.01.2017

Beiträge für die Vergabe des WIR-Preises werden erbeten bis 15. Januar 2017 an die Deutsche Lungenstiftung, Stichwort „WIR-Preis“, Reuterdamm 77, 30853 Langenhagen. Nähere Auskunft per Telefon unter 0511/ 21 55 110. Bis zu diesem Tag sind vier Originale oder Kopien des gedruckten oder gesendeten Beitrags einzureichen.

Einzelheiten zur Bewerbung

Die Bewerber werden gebeten, neben dem Veröffentlichungs- bzw. Sendedatum Angaben zu Namen, Adresse, Lebenslauf mit Ausbildung und journalistischem Werdegang sowie zu ihrer gegenwärtigen Tätigkeit anzufügen. Es können nur Bewerber ausgezeichnet werden, die den Preis (voraussichtlich Ende März 2017) persönlich entgegennehmen.

Bewerben können sich Journalistinnen und Journalisten (auch Journalistenteams und Medienbüros) mit höchstens drei Beiträgen, die zwischen 1. Januar 2015 und 31. Dezember 2016 in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Zulässig sind Eigenbewerbungen ebenso wie Empfehlungen durch Dritte (Kollegen, Ärzte usw.). Wissenschaftliche Aufsätze und Bücher können nicht berücksichtigt werden.

Für das Thema gibt es neben dem Bezug zur Lungenheilkunde keine eng begrenzten Vorgaben. Erwünscht sind vor allem Arbeiten, die Themen wie Asthma, Bronchitis, Lungentuberkulose, Lungentumoren, Transplantations-medizin, Schlafapnoe, Mukoviszidose und Sarkoidose aufgreifen. Willkommen sind Arbeiten zur Früherkennung, Prävention und Therapie dieser Krankheiten, aber auch zu Nichtraucher-Initiativen, zum gesetzlichen Rauchverbot, zu Strategien der Tabakindustrie und zur medizinischen Bedeutung von Tabakwerbeverboten. Auch medizinhistorisch orientierte Beiträge werden gern angenommen, etwa zur Geschichte der Tuberkulose, der Lungenheilstätten und der Gesundheitsfürsorge.

 

Die Juroren bewerten alle eingereichten Beiträge sorgfältig und unabhängig nach folgenden Kriterien:

Bedeutung des gewählten Themas,

fachliche Korrektheit der Darstellung,

Sorgfalt, aber auch Originalität der Recherche,

Verständlichkeit und Anschaulichkeit der Darstellung,

Art des Zugangs und der genutzten Quellen

gesundheits- und sozialpolitisches Engagement.

Die Jury des WIR-Preises

Die Jury des Wilhelm und Ingeborg Roloff-Preises setzt sich zusammen aus

Prof. Dr. med. Harald Morr, Lungenfacharzt und Internist, Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung e. V., bis 2009 Chefarzt der Pneumologischen Klinik Waldhof Elgershausen in Greifenstein (Hessen)

Prof. Dr. med. Gerhard Siemon, Lungenfacharzt, Internist und Umweltmediziner, Mitglied im Kuratorium der Deutschen Lungenstiftung, bis 2002 Chefarzt des Krankenhauses Donaustauf bei Regensburg, einer Fachklinik für Erkrankungen der Atmungsorgane, deren Leiter Wilhelm Roloff 1946/1949 war

Prof. Dr. phil. Walter Hömberg, Medienwissenschaftler, Inhaber des Lehrstuhls für Journalistik I der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Dr. sc. hum. Karin Henke-Wendt, Biologin und freie Wissenschaftsjournalistin, Eltville am Rhein

Dr. phil. Eckart Klaus Roloff, bis Ende 2007 Leiter des Ressorts Wissenschaft und Praxis des „Rheinischen Merkur“ (Bonn), als Vertreter seiner drei Brüder Koordinator der Jury. Mitglied im Kuratorium der Deutschen Lungenstiftung, per E-Mail zu erreichen unter ekroloff@web.de