Patienten fragen – Experten antworten

Offene TBC

22.02.08

Frage:

Meine geschiedene Frau liegt mit einer offenen TBC in Isolation. Nach Auskunft der Ärzte entspricht die Stärke der Krankheit einer Verschleppung von mindestens 12 Monaten. Zwei ihrer Kinder wurden vom Gesundheitsamt behandelt (Anfang Januar Tine-Test, auch wenn positiv kein Röntgen; Ende Februar Test nach Mendel-Mantoux - wenn positiv, d.h. Quaddeln, röntgen). Bei der älteren Tochter war der Test positiv, sie bekommt nun für 9 Monate Isozid (auf dem Röntgenbild konnte aber nichts erkannt werden).

Unsere gemeinsame Tochter (6 Jahre alt, Frühgeburt der 25 SSW +1) bekam den Tine Test vom Kinderarzt. Der Test war positiv, danach wurde die Lunge geröntgt. Auf dem Röntgenbild konnte nichts festgestellt werden. Sicherheitshalber hat der Kinderarzt Isozid verschrieben.

Auf Aufforderung des Gesundheitsamtes wurde bei ihr ein Mendel- Mantoux -Test gemacht. Ablesen erfolgte nach 6 Tagen. Die gefundene Quaddel hatte einen Durchmesser von 20 mm. Der Arzt des Gesundheitsamtes sagte, dies bedeute, sie habe sich mit TBC infiziert. Isozid müsse nun insgesamt 9 Monate gegeben werden. Ein nochmals gemachtes Röntgenbild war negativ.

Der Kinderarzt meinte, ein positiver Mendel- Mantoux Test würde nicht unbedingt auf eine Infizierung schließen lassen. Er hat eine Blutprobe entnommen. Bei dieser wurde keine Infektion festgestellt und sie sei somit gesund. Das Gesundheitsamt sagte, aus Blutproben kann man keine TBC-Infektion erkennen.

Ich hoffe, Sie verstehen, dass mich diese Unklarheit innerlich sehr aufwühlt, gerade auch weil vom Gesundheitsamt geäußert wurde, dass die Heilchance durch Isozid bei nur 90 % liegt.

Können Sie mir sagen, was nun richtig ist? Zeigt ein wie oben beschriebener Test nach Mendel- Mantoux sicher eine Infektion an oder ist ein Bluttest genauer?

Vielen Dank

Antwort:

Die an uns gestellte Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten.

Offensichtlich hatte Ihre Tochter Kontakt mit Ihrer geschiedenen Frau, die an einer offenen Tuberkulose erkrankt ist. Möglicherweise bestand dieser Kontakt über einen längeren Zeitraum.

Wenn nun bei Ihrer 6-jährigen Tochter der Tine-Test positiv war und auch ein später durchgeführter so genannter Mendel-Mantoux-Test eine deutliche Quaddel mit einem Durchmesser von etwa 2 cm gezeigt hat, muss man davon ausgehen, dass das Immunsystem ihrer Tochter sich mit Tuberkulose-Bakterien auseinander gesetzt hat. Wir wissen, dass nur ein kleiner Teil von latent infizierten und Tine-Test-positiven Personen letztlich erkrankt. In aller Regel schafft es ein gesundes Immunsystem, sich mit den Bakterien auseinander zu setzen und den Ausbruch einer Erkrankung zu verhindern.

Regelmäßige Kontrollen des Röntgenbilds sind in der Tat nötig. Bei der Gabe von Isozid über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die auch ich in diesem Fall für angemessen halte. Da ihre Tochter erst kürzlich Kontakt zu einer Person mit aktiver Tuberkulose hatte, gehört sie eindeutig zu dem Kreis mit erhöhtem Risiko einer TBC-Erkrankung. Ich würde die Therapie auch dann durchführen, wenn Blutproben keinen Hinweis auf eine bestehende Infektion geben. Wegen eventueller Nebenwirkungen des Medikaments müssen während der Isozid-Behandlung allerdings sicherheitshalber Laborproben, insbesondere von Untersuchungen der Leberfunktion, durchgeführt werden.

Insgesamt dürfte unter Berücksichtigung der natürlichen Heilkräfte des Organismus und der vorsorglichen Isozid-Gabe die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs der Erkrankung sehr gering sein. Eine ausführliche (englisch-sprachige) Darstellung der latenten TBC-Infektion finden Sie in der Zeitschrift New England Journal of Medicine (N.Engl.J.Med. 347.23.S. 1860-1866, 2002) www.nejm.org

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Helmut Fabel

Deutsche Lungenstiftung e.V.