Patienten fragen – Experten antworten

Kind mit Bronchopulmonaler Dysplasie (BPD) und Katzen

22.02.08

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Sie heute an, da ich Ihre Hilfe brauche. Mein Sohn (5 Monate alt) bekommt (BPD) Sauerstoff (1l/min) und soll mit diesem demnächst nach Hause kommen (O2-Brille). Jetzt zu meiner Frage: Dürfen in dem Haushalt, wo so ein Kind aufwächst, Katzen gehalten werden?

Wir haben 2 Wohnungskatzen. Beide dürfen weder ins Schafzimmer noch ins Gästezimmer. Der Professor unserer Klinik meint, dass wir die Katzen erst weggeben müssten, wenn mein Sohn anfinge zu krabbeln. Seitdem frage ich mich, wo da der Unterschied zwischen jetzt und später ist, zumal man mir auch sagte, dass Tiere Therapie sein können.

Außerdem kommt hinzu, dass mein Sohn wahrscheinlich nicht lange zu leben hat. Er hat gar keinen Dünndarm mehr und wird nur venös über Nacht ernährt. Hat man wirklich die Chance, dass so eine BPD vollständig ausheilt? Mein Sohn wird demnächst ein halbes Jahr. Er war sehr lange intubiert. Zusätzlich kommen Intubationen im Januar und Februar hinzu, ursächlich durch Pneumonie sowie Keime in der Lunge.

Ich würde mich freuen, baldmöglichst eine Antwort Ihrerseits zu bekommen.

Antwort:

Ihr Sohn leidet offensichtlich an einer sogenannten Bronchopulmonalen Dysplasie. Dabei handelt es sich in der Regel um eine chronische Lungenerkrankung kleiner Frühgeborener, bei denen zum Zeitpunkt der Geburt die Lungenreife noch nicht abgeschlossen war und die in der Regel vorübergehend beatmet werden mussten und auch sauerstoffbedürftig waren. Es handelt sich somit um ein seltenes Krankheitsbild, das allerdings bei bis zu 25 % aller Frühgeborenen auftreten kann, wenn die Geburt in der 24. und 28. Schwangerschaftswoche stattgefunden hat.

Aufgrund dieser Schädigungen kommt es im Säuglings- und Kleinkindesalter in der Regel zu chronischen Entzündungen im Bronchialsystem und in der Lunge, die häufig mit Vernarbungen einher gehen und die Lungenfunktion deutlich beeinträchtigen, so dass eine Langzeitgabe von Sauerstoff notwendig ist.

Im Falle Ihres Kindes liegen offensichtlich weitere Gesundheitsstörungen vor (was häufig bei diesem Krankheitsbild vorkommt), so dass eine intravenöse Ernährung erfolgen muss.

Die Frage, ob Sie in Ihrer Wohnung Katzen halten dürfen und ob Ihr Kind mit den Katzen Kontakt habe darf, ist nicht eindeutig mit ja oder nein zu beantworten. Im Prinzip ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Ihr Sohn mit Ihren Katzen spielt, allerdings müssen hygienische Maßnahmen beachtet werden. Übertragungen von Erkrankungen durch den Umgang mit Hauskatzen dürften vernachlässigbar sein. Infektionen durch andere Kinder oder auch Erwachsene (Grippe und andere Kinderkrankheiten) könnten eher ein Problem werden. Offensichtlich ist es bei Ihrem Sohn bereits zu einer Keimbesiedelung der Lunge mit rezidivierenden Lungenentzündungen gekommen.

Problematisch könnte eine Katzenhaltung werden, wenn Ihr Sohn allergisch auf Katzenhaare reagiert, was sich durchaus entwickeln kann. Kinder mit Bronchopulmonaler Dysplasie neigen zu einer asthmaähnlichen Verkrampfung der Atemwege.

Wichtig erscheint mir auch der Hinweis, dass Sauerstoff ein leicht entflammbares Gas ist, so dass in der Nähe des Sauerstoffgerätes (und auch der Sauerstoffbrille) nicht mit offenem Feuer hantiert werden darf (Feuerzeug, Streichhölzer, brennende Zigarette).

Leider heilt eine schwerere Bronchopulmonale Dysplasie selten vollständig aus. In aller Regel bleiben Einschränkungen der Lungenfunktion bestehen. Wenn asthma-ähnliche Symptome auftreten (was Ihr Kinderarzt messen kann), ist auch eine entsprechende inhalative Behandlung notwendig.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. H. Fabel 

Deutsche Lungenstiftung e.V.