Patienten fragen – Experten antworten

12 Fragen zum Rauchen

22.02.08

Im Rahmen unseres Schulwettbewerbs „Schreiben gegen die Sucht” erreichte uns der Brief des 14-jährigen Matheus

Nachfolgend beantworten wir seine 12 Fragen zum Rauchen.

Liebe Lungenstiftung,

ich hoffe, dass Sie sich für meine Fragen Zeit nehmen können und mir ein bisschen Wissen über dieses Thema geben können.

Da man Sie empfohlen hat, hoffe ich, dass Sie mir da behilflich sein können. Da Sie ein Arzt sind, nehme ich an, dass Sie sich mit diesem Thema gut auskennen.

Frage 1:

Ich bin 14 Jahre alt und war Raucher von 7-10 Zigaretten täglich für 1,5 Jahre(also 10 Monate "Lungenrauchen" und 9 Monate "gepafft"). Doch jetzt bin ich konsequenter Nichtraucher und werde es auch bleiben! Doch gestern habe ich, obwohl ich schon seit 4 Monaten Nichtraucher bin, eine Zigarette geraucht, ist das schlimm?

Antwort:

Du hast Glück gehabt, dass Du nach über einjährigem Rauchen nicht abhängig geworden bist! Nikotin macht in der Regel nach wenigen Monaten süchtig. Darin steht es harten Drogen nicht nach. Die eine Zigarette, die Du jetzt doch geraucht hast, schadet der Lunge zwar kaum. Die Gefahr ist aber, dass Du wieder in das Rauchen hinein rutschst. Die Versuchung ist groß. "Eine ist keine" stimmt meistens nicht. Kennst Du den Spruch von Mark Twain: "Nichts ist leichter als mit dem Rauchen aufzuhören, ich habe es schon 10 Mal geschafft."Die Rückfallquote ist leider sehr hoch.

Frage 2:

Was ist schlimmer Lungenrauchen oder Paffen? Hat das Paffen auch gesundheitsschädigende Wirkung auf die Lunge?.

Antwort:

Wenn Du eindeutig nur paffst, also nicht inhalierst, ist die Schädigung von Lunge und Bronchien natürlich geringer. Du musst aber wissen, dass die Teerrückstände des Tabakrauches auch Kehlkopf-, Speiseröhren-, Zungen- und Lippenkrebs verursachen können. Auch wird das im Zigarettenrauch enthaltene Nikotin, das für die Herz-Kreislaufschäden des Rauchens verantwortlich ist, auch über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen.

Frage 3:

Lohnt es sich eigentlich aufzuhören?

Antwort:

Es lohnt sich immer aufzuhören. Für die Lungenschädigung ist die Dauer des Rauchens genauso wichtig wie die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten. Es ist also die Gesamtzahl der inhalierten Zigaretten, die das Risiko, an Lungenkrebs und Chronischer Bronchitis zu erkranken, auf das bis zu 30-fache eines Nichtrauchers erhöht.

Frage 4:

Regeneriert sich die Lunge wieder oder ist sie durch mein 1,5 Jahre Rauchverhalten zu stark geschädigt?

Antwort:

In gewissem Umfang regenerieren Lunge und Bronchien sich mit zunehmender Dauer des Nichtrauchens. Mit einer "nur" 1 ½-jährigen Raucherkarriere hast Du eine gute Chance, ohne Schädigung davongekommen zu sein.

Frage 5:

Regeneriert sich der Körper bei Jugendlichen schneller als bei Erwachsenen, da sich dieser ja noch im Wachstum befindet und die Zellenerneuerung öfters stattfindet als bei Erwachsenen?

Antwort:

Das kann man leider nicht eindeutig sagen. "Jugendliches Gewebe" regeneriert sich zwar in der Regel besser, ist aber auch anfälliger gegenüber Schädigungen.

Frage 6:


Habe ich durch mein Rauchverhalten ein größeres Risiko im späteren Alter (40, 50, 60 Jahre) an einem Bronchialkarzinom oder einer anderen Krebsart zu erkranken?

Antwort:

Wenn Du in Zukunft "abstinent" bleibst, ist ein persönliches Risiko, in höherem Alter an Krebs zu erkranken, nur minimal erhöht.

Frage 7:

Gleicht sich mein Krebsrisiko wieder dem eines Nichtrauchers an? Wenn ja, wie lange dauert denn das?

Antwort:

Ja, je länger Du "Ex-Raucher" bleibst, um so mehr sinkt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, auf das Niveau eines Nichtrauchers.

Frage 8:

Wird sich das Risiko aller Raucherkrebse wieder dem Niveau eines Nichtrauchers angleichen?

Antwort:

Je länger Du geraucht hast, um so geringer ist die Chance, das geringe Krebsrisiko eines Nichtrauchers zu erreichen.

Frage 9 und Frage 10:

Werde ich dann nichts mehr zu befürchten haben, wenn ich ab jetzt für immer konsequenter Nichtraucher bleibe oder kann es noch Spätfolgen des 1,5 Jahre Rauchens geben, obwohl ich schon Nichtraucher bin? Habe ich jetzt was Schlimmes getan, was ich dann auch später im Leben bereuen werde, oder wird nichts mehr wegen diesem "Fehler" passieren?

Antwort:

Für Dich kann man sagen (konsequentes Nichtrauchen vorausgesetzt), dass Du bezüglich eines höheren Krebsrisikos wahrscheinlich nichts zu befürchten hast. Fehler kann man in der Regel nicht komplett ungeschehen machen, das Entscheidende ist, daraus zu lernen und sie nicht zu wiederholen.

Frage 11:

Um das Risiko und die Empfindlichkeit für Tabakrauch auch richtig einschätzen zu können, wird vielleicht  meine Familienanamnese hilfreich sein.

Ich bin 14 Jahre alt. Mein Vater rauchte im Alter von 19-21 Jahren 5 bis 10 Zigaretten täglich. Keine Spätfolgen sind in seinem Alter von 50 Jahren aufgetreten.

Beide Opas haben geraucht. Der Opa mütterlicherseits hat jahrelang Pfeife gepafft - er lebt noch, keine Folgen.

Antwort:

Dein Vater hat ja eine ähnliche Rauchervorgeschichte wie Du selbst und sollte, statistisch gesehen, ebenfalls nur ein minimal erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben, da er nur kurz geraucht und früh aufgehört hat. Glücklicherweise erkrankt nicht jeder Raucher an Lungenkrebs, aber inhalatives Rauchen ist eindeutig der Hauptrisikofaktor für das Entstehen eines Lungenkrebses. 80 bis 85 % aller Lungenkrebspatienten haben jahrelang geraucht.

Dein Pfeife-paffender Großvater mütterlicherseits hat, wenn er wirklich nur pafft und nicht inhaliert, sicherlich kein extrem hohes Lungenkrebsrisiko, aber eben doch gesundheitliche Risiken bezüglich Mundhöhlenkrebs und Herz-Kreislauferkrankungen.

Was die genetische Familien-Anamnese ganz allgemein angeht: Ja, es gibt Familien, bei denen Veränderungen im genetischen Code zu einem erhöhten Krebsrisiko, teils allgemein, teils organbezogen führen. Dann müssen natürlich krebsauslösende Faktoren wie Zigarettenrauch konsequent gemieden werden. Du weißt wahrscheinlich, dass langjähriges Passivrauchen, z.B. in Raucherfamilien, am Arbeitsplatz oder in Kneipen, das Krebsrisiko auch erhöhen kann.

Frage 12:

Meine Mutter ist vor 4 Jahren gestorben - Mamma-Karzinom, Sie war Nichtraucherin.

Das war meine genetische Familienanamnese und wie werden Sie jetzt wohl mein Risiko durch mein bisheriges Rauchen einschätzen?

Gruß Matheus

Antwort:

Was den tragischen Tod Deiner Mutter angeht, die in jungen Jahren an einem Mamma-Karzinom gestorben ist und die Nichtraucherin war, so bedeutet das für Dich kein höheres Krebsrisiko, da die Mechanismen der Entstehung eines Mamma-Karzinoms ganz anders sind und in der Regel nichts mit Umweltgiften zu tun haben.

Ich hoffe, unsere Antworten haben Dir weitergeholfen. Wir fänden es gut, wenn sich aus unserem Briefwechsel Diskussionen im Freundeskreis und in der Familie ergeben würden. Vielleicht könnte Dein Fragenkatalog mit unseren Antworten auch Basis für eine interessante Biologiestunde in der Schule sein.

Herzlich
Deine Lungenstiftung