Patienten fragen – Experten antworten

Herzinfarkt trotz gesunder Lebensweise

22.02.08

Frage:

Guten Tag!

Zugegeben, das Genussmittel Tabak, wie jedes andere auch, ist nicht immer zum  Vorteil unserer Gesundheit. Aber als nichtrauchender Infarktpatient, und deren sind nicht wenige, sei mir erlaubt, die Dinge zu hinterfragen.
Sir Winston Churchill rauchte genüsslich seine Zigarren, ertrug Dauerstress, legte Übergewicht auf die Waage und erreichte trotz Verachtung jeglicher sportlicher Tätigkeit ein biblisches Alter von 90 Jahren. 

Bill Clinton, Nichtraucher, vollschlank, joggte für seine Gesundheit mit ganzen Völkerscharen um die Wette und musste sich trotzdem im September 2004 einer vierfachen Bypass - Operation unterziehen.
Weshalb ist dem so?

Mit freundlichen Grüssen E. D., Basel

Antwort:

Sehr geehrter Herr D.

Ihre Frage zum Thema Genussmittel Tabak und Gesundheit ist interessant und relativ einfach zu beantworten.

Leider sind auch sehr gesund lebende Personen nicht vor dem Risiko geschützt, einen Herzinfarkt zu erleiden. Inhalatives Rauchen ist zwar der wichtigste Risikofaktor für Herzinfarkt, Lungenkrebs und chronische Bronchitis, aber natürlich gibt es auch andere Risikofaktoren, einen Infarkt zu erleiden. Als wichtigste nenne ich Übergewicht, Stoffwechselstörungen wie Erhöhung der Blutfette sowie Diabetes. Auch gibt es eine genetisch bedingte familiäre Häufigkeit für Gefäßerkrankungen. Dennoch ist festzuhalten, dass in Deutschland mehr als 100.000 Personen jährlich infolge des inhalativen Rauchens sterben, davon allein 40.000 an Lungenkrebs, etwa 20.000 bis 30.000 an den Folgen einer schweren chronischen Bronchitis und mehr als 40.000 an Herzgefäßerkrankungen.

Sir Winston Churchill ist sicherlich die Ausnahme von der Regel. Seine Vorliebe für dicke Havanna Zigarren ist bekannt, auch trank er übermäßig. Einzelfälle beweisen medizinisch gesehen nichts und das Glück, trotz extremen Zigarrenkonsums und anderer Gesundheitsrisiken nicht unter den Folgen zu leiden, mag tröstlich sein, sollte aber nicht dazu führen, diese Risiken zu bagatellisieren.

Ihr Hinweis auf Bill Clinton dürfte auch nur bedingt gelten. Wir wissen nichts über seine anderen Gesundheitsrisiken, wie hoher Blutdruck, hohe Blutfette, oder anderen Stoffwechselstörungen. Dass Bill Clinton wirklich Nichtraucher war, ist nicht anzunehmen. Schließlich hat er, wie hinlänglich bekannt ist, mit Zigarren hantiert und dürfte sie durchaus auch zum Rauchen benutzt haben.

Rauchen bleibt ein Lotteriespiel, die Wahrscheinlichkeit keinerlei Gesundheitsstörungen davonzutragen, ist eher gering und die Wahrscheinlichkeit, keinerlei Schaden davonzutragen, ist vergleichbar mit sechs Richtigen im Lotto.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Helmut Fabel

Deutsche Lungenstiftung e.V.