Patienten fragen – Experten antworten

Inhalation von Olivenöl

22.02.08

Frage:

Ich habe von einem Bekannten erfahren, dass es neuerdings ein Verfahren gibt, in dem unter hohem Druck Olivenöl lungengängig zur Inhalation zerstäubt wird. Ich habe große Bedenken bei diesem Verfahren, konnte aber im Internet nichts über die Gefahren bei der lungengängigen Inhalation von fetten Pflanzenölen finden.

Können Sie mir zu diesem Thema weiterhelfen?

Antwort:

Sie haben erfahren, dass es ein neues Verfahren geben soll, in dem unter hohem Druck Olivenöl lungengängig zur Inhalation zerstäubt werden kann. Ihre Frage ist nun, ob dieses Verfahren zum Einsatz bei verschiedenen Lungenerkrankungen kommen könnte bzw. ob es gefährlich ist, Pflanzenöle lungengängig zu inhalieren.

Fettähnliche Substanzen, die sogenannten Phospholipide, spielen im Lungenstoffwechsel eine große Rolle. Sie sind der wichtigste Bestandteil des Oberflächenfilms der Lungenbläschen, des sogenannten Surfactant-Systems, und tragen wesentlich dazu bei, dass unsere Lungenbläschen immer für den Gasaustausch offen gehalten werden. Ein Mangel an diesen Phospholipiden kann zu schweren Lungenerkrankungen führen.

Die Forschung auf diesem Gebiet in den letzten 20 Jahren hat zur Entwicklung von künstlichem Surfactant geführt, der bereits in der Pädiatrie beim sogenannten Atemnotsyndrom des Neugeborenen mit Erfolg eingesetzt wird. Dieser künstliche Surfactant kann über ein Bronchoskop in die geschädigte Lunge eingeführt werden. Es gibt auch Ansätze für eine Inhalation dieser Substanz.

Entscheidend ist, dass die zugeführte Substanz im Wesentlichen den körpereigenen Surfactant nachahmt.

Mir sind keine wissenschaftlichen Untersuchungen bekannt, dass Pflanzenfette, inhalativ gegeben, gesundheitsförderlich sein könnten. Ölige Substanzen werden im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde angewendet, insbesondere, um trockene Nasenschleimhäute zu schützen.

Auch wenn es gelungen sein sollte, Olivenöl so fein zu zerstäuben, dass winzige Öltröpfchen bis in das Lungengewebe vordringen können, muss vor einer solchen Anwendung zur Zeit unbedingt gewarnt werden. Es ist zu befürchten, dass diese Ölpartikel im Lungengewebe schwere Entzündungsreaktionen hervorrufen können, so wie wir es von der versehentlichen Inhalation von ölhaltigen Nasentropfen kennen, die zu schweren Lungenentzündungen mit anschließender Vernarbung des Lungengewebes führen können. Auch andere ölige Substanzenwie z.B. das Lipiodol, das vor 20 Jahren noch routinemäßig zur Darstellung feiner Lymphgefäße und Lymphknoten verwendet wurde, können schwere Lungenschäden verursachen, wenn sie versehentlich über die Blutbahn in den Alveolarraum bzw. in die Lungenkapillaren vordringen.

Zusammenfassend lässt sich nicht rechtfertigen, Olivenöl lungengängig zu vernebeln. Die Gefahren dürften aus meiner Sicht erheblich sein, entsprechende tierexperimentelle Untersuchungen, dass eine solche Inhalation verträglich sein könnte, liegen mir nicht vor, von einem Nutzen ganz zu schweigen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Helmut Fabel
Deutsche Lungenstiftung e.V.