Patienten fragen – Experten antworten

Sarkoidose

17.11.08

Frage:

Cortison-Therapie bei normaler Lungenfunktion

Sehr geehrte Damen und Herren,

im August 2007 wurde bei mir nach dreiwöchigem Husten eine Röntgenuntersuchung des Thorax durchgeführt, welche einen kleinen Rundherd links ergab. Zur Abklärung dieses Befundes wurde ein CT Thorax mit Kontrastmittel empfohlen und durchgeführt und eine Kontrolle in einem 1/2 Jahr low dose empfohlen. Diese Kontrolle blieb ohne klare Aussage und eine weitere Untersuchung mit Kontrastmittel in einem halben Jahr wurde emp­fohlen. Dieses CT vom August 2008 ergab eine zunehmende mediastinale und bihiläre Lymphadenopathie unklarer Ursache sowie zunehmende Parenchymveränderungen des Lungengerüsts mit teils milchglasartiger Komponente, die im August 2007 noch nicht so zu sehen waren. Ein kleiner Herd in S6 links war dagegen größenkonstant, seine Größe ist nicht angegeben. Die Lymphknoten wurden mit max. 22 x 20 mm rechts hilär, 20 x 15 mm ianfracarinal und 20 x 15 mm links hilär ausgemessen.

Bei der körperlichen Untersuchung fanden sich bds. supraclaviculär und cervical sehr kleine, nicht druckschmerzhafte Lymphknoten, max, stecknadelkopfgroß. Am 01. und 02.09.08 wurde eine Bronchoskopie mit Lavage und Biopsie durchgeführt. Histologisch ließ sich eine Sarkoidose sichern.

Es wurde nun bei im CT dargestellten und für die Sarkoidose nicht besonders typischen Milchglasinfiltraten der Beginn einer Kortikosteroidtherapie empfahlen, obwohl die Lungenfunktion vollständig normal ist. Nun bin ich stark verunsichert zumal ich der Meinung war, Cortison wäre nur bei Befall anderer Organe, starken Beschwerden, oder einer Sarkoidose im Stadium II mit Abnahme der Lungenfunktion indiziert. Weiterhin erhöhten sich die Chancen einer Lungenfibrose bei zu frühem Einsatz bzw. zu frühem Absetzen von Cortison. Da ich aus diesen Gründen einer Therapie mit Cortison äußerst skeptisch gegenüber stehe, bitte ich Sie anhand Ihrer Erfahrung um Hilfe. Es musste doch eine Alternative hierzu geben.

Mit bestem Dank für Ihre Bemühungen im Voraus

grüße ich Sie freundlich

Christine Sch.

Antwort:

Sehr geehrte Frau Sch.,

Sie haben uns mitgeteilt, dass bei Ihnen eine Sarkoidose der Lunge mit Beteiligung der Hiluslymphknoten festgestellt wurde. In meiner Beantwortung gehe ich davon aus, dass diese Diagnose unstrittig ist.

In der Tat ist es ärztlich umstritten, ob bei normaler Lungenfunktion sofort mit einer Kortisontherapie begonnen wird, die bei Einschränkung der Lungenfunktion und bei anderen Organbeteiligungen im Rahmen der Sarkoidose unstrittig ist. Lungeninfiltrationen und Lymphknotenvergrößerungen können sich im günstigsten Fall auch ohne Therapie zurückbilden.

Wenn kein anderer Organbefall im Rahmen der Sarkoidose festgestellt wurde und die Lungenfunktionsprüfung, auch unter Einschluss von sehr sensiblen Methoden, wie Messung der Difussionskapazität, normal ist, könnte unter der Einhaltung von regelmäßigen Kontrollen der Lungenfunktion und des Röntgenbildes aus meiner Sicht zunächst zugewartet werden können.

Die Abneigung gegen eine Kortisontherapie ist verständlich, bei Progress der Erkrankung ist eine solche Behandlung aber unabdingbar. Ganz sicher wird eine Lungenfibrose nicht durch den frühen Einsatz von Kortison begünstigt.

Mein Vorschlag wäre, dass nach einer kurzfristigen Kontrolle von Lungenfunktion und Röntgenbild innerhalb von 3 Monaten erneut über den Einsatz von Kortison entschieden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Helmut Fabel

Ehrenvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung e.V