Patienten fragen – Experten antworten

Lungenentzündung

17.11.08

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Tochter Sohpie (8 Jahre alt) hat seit dem 2. Lebensjahr Probleme mit den Atemwegen. Damals wurde das erste Mal Pseudo-Krupp diagnostiziert. Ihre Mandeln waren immer fast immer golfballgroß, hatte oft nachts starken, trockenen Husten. Wenn Sie aufwachte, hat sie vor Halsschmerzen geschrien. Mit Kochsalzlösung wurde dann inhaliert und Salbeitee getrunken. Vom zweiten bis vierten Lebensjahr hatte sie nachts Albträume, ist oft nachts aufgeschreckt und hat geweint. Ich hatte oft den Eindruck, sie bekommt kurzzeitig keine Luft und Panik. Laut Allergietest Reaktion auf Schimmel, Roggen und Gerste. Hat aber im Winter und Frühling keine Atemwegsprobleme. Im Sommer ist sie dann immer krank. Seit 2006 hat sie regelmäßig im Spätsommer oder Herbst eine Lungenentzündung, die dann mit Antibiotika und Inhalation mit Kochsalzlösung behandelt wird. Es wir dann auch sofort besser. Sophie hat noch keine andere ernsthaften Erkrankungen gehabt auch keine Kinderkrankheiten und sie hat nie Fieber.

Meine Frage lautet jetzt: Wieso bekommt sie jeden Sommer eine Lungenentzündung und wie kann ich sie schützen?

Antwort:

Sehr geehrte Frau H.

Sie schreiben uns, dass Ihre Tochter Sophie seit 2 Jahren erhebliche Probleme mit den Atemwegen habe. Es sei bereits ein Pseudo-Krupp einmal aufgetreten. Auch seien ihre Mandeln auch fast immer golfballgroß und sie klage nachts über starken, trockenen Husten. Aus Ihrer Sicht habe sie nachts häufig Albträume. Möglicherweise entstehen diese durch Luftnot. Weiterhin ist offensichtlich eine allergische Erkrankung, möglicherweise mit Asthma bronchiale bekannt. Es bestehen eine ganze Reihe von allergischen Reaktionen auch auf Pollen. Weiterhin teilen Sie mit, dass Ihre Tochter in den letzten 2 bis 3 Jahren regelmäßig im Spätsommer oder Herbst eine Lungenentzündung gehabt habe.

Ganz offensichtlich besteht bei Ihrer Tochter eine Allergie mit Atemwegsproblemen. Neben einer attackenförmigen Verschlimmerung der Asthmasymptomatik nach Kontakt mit entsprechenden Allergenen (z.B. Pollen) ist bekannt, dass bei vorhandenem Asthma in den Nacht- und frühen Morgenstunden eine Verschlimmerung der Symptomatik auftreten kann. Auch muss ich Sie fragen (da Sie das nicht mitgeteilt haben), ob die Mandeln inzwischen entfernt wurden. Golfballgroße Mandeln können insbesondere nachts in Rückenlage zu einer ganz erheblichen Verlegung der oberen Luftwege führen und müssen dann auch entfernt werden. Zur Frage der Lungenentzündung müsste geklärt werden, ob diese auch im Röntgenbild sichtbar war oder ob lediglich durch Abhören der Verdacht auf eine Lungenentzündung geäußert wurde. Die entsprechenden Geräusche bei der Auskultation können sehr ähnlich sein. Auch müsste abgeklärt werden, ob evtl. chronische Bronchialveränderungen in Sinne einer Brochiektasie vorliegen, die zu immer wieder aufflackernden Lungenentzündungen führen können.

Der saisonale Charakter der Erkrankung spricht am ehesten für eine Allergie bzw. eines Asthma bronchiale. Die nächtlichen Attacken müssten dennoch weiter abgeklärt werden. Selten liegt auch bei Kindern ein sogenanntes Schlafapnoesyndrom bzw. eine schlafbezogene Atemstörung vor, bei der, insbesondere in Rückenlagen, die Zunge sich nach hinten verlagert und die Atemwege teilweise verlegen kann. Falls Sie noch nicht bei einem entsprechenden Facharzt für Pneumologie gewesen sind, sollte eine ausführliche Untersuchung entsprechend unseren Ausführungen durchgeführt werden. 

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Helmut Fabel

Ehrenvorstand der Deutschen Lungenstiftung e.V.