Patienten fragen – Experten antworten

FEUCHTE LUFT / TROCKENE LUFT

17.11.08

Frage:

Freier Atmen

Artikel in der Apothekenumschau vom 01. 09. 08

Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem ich den im Betreff genannten Artikel in der Zeitschrift „Apothekenumschau" mit Interesse gelesen habe und mit der Überschrift „hilfreiche Adressen" auch Ihre Anschrift fand, möchte ich mich mit einer Frage an Sie wenden, die mich nicht nur gesundheitstechnisch, sondern auch ingenieurtechnisch interessiert.

Seit 1980 bin ich beratender Ingenieur für technische Ausrüstung mit Schwerpunkt Raumlufttechnik und Energiewirtschaft. Im Zusammenhang mit der Planung von notwendigen raumlufttechnischen Anlagen wurde immer wieder die Frage - stellenweise kontrovers - diskutiert, was denn nun mit einer Luftbefeuchtung sei.

Da raumlufttechnische Anlagen mit geregelter Kühlung rein physikalisch gesehen schon Entfeuchtungsleistungen bei der geförderten Luft übernehmen, geht es um die Frage, ob in den Wintermonaten bei absolut gesehen trockener Außenluft, notwendigerweise für die Gesundheit zuträglich, Lüftungsanlagen mit mechanischen Befeuchtungseinrichtungen ausgestattet werde müssen.

Aus vielen Kreisen haben wir immer wieder Argumente gehört wie:

 

- trockene Luft führt zu Schleimhautentzündungen

- trockene Luft führt zu Augenentzündungen

- trockene Luft führt zu höherer Krankheitsanfälligkeit.

Dass diese Argumente schwerpunktmäßig von der Lüftungsindustrie stammen, mögen Sekundärerscheinungen sein, jedoch habe ich bislang keine befriedigenden Publikationen gefunden, mit denen auch Behauptungen bewiesen worden sind.

Nach meinem Dafürhalten ist die menschliche Lunge ein enorm leistungsfähiges Organ und hat sicherlich nicht nur die Aufgabe, Sauerstoff aus der Luft zu filtern, sondern es ergibt sich auch zwangsläufig ein Luftbefeuchtungseffekt, d.h. dass Luft, die eingeatmet wird, mit einer relativen Feuchte ausgeatmet wird, die nahe dem Sättigungsgrad entspricht.

Aus diesem Grunde ist es auch nach meinem Dafürhalten unwichtig, mit welchem absoluten Wassergehalt diese eingeatmet wird, denn die Körpertemperatur und die Befeuchtungsleistung der Lunge übernimmt einen Befeuchtungswirkungsgrad von fast 100% auf dem Wege durch die menschliche Lunge.

Wenn auch die Hinweise des Marktes oder anderer Lüftungspäpste nach der Notwendigkeit von Luftbefeuchtungseinrichtungen ernst zu nehmen sind und diese Luftbefeuchtungseinrichtungen gesundheitszuträglich sein sollen, stellt sich die Frage, warum im Hochgebirge Lungenkrankhei­ten besonders gut behandelt werden können. Nachweislich ist die Luftfeuchte in Davos deutlich niedriger als in anderen Regionen, so dass fast anzunehmen ist, dass gerade trockene Luft für Atemwegserkrankungen besonders geeignet zu sein scheint.

Ebenso das Argument, dass im Allgemeinen Menschen im Hochgebirge älter werden als zum Beispiel solche im Amazonas-Delta,, wo - nach Fachmeinung der Klimabranche - besonders günstige Feuchtewerte vorzufinden sind.

Schlussendlich meine Frage: Gibt es Publikationen zu diesem Thema?

Dass selbstverständlich der Staubgehalt in der Atemluft einen deutlich höheren Stellenwert haben kann, als der Wassergehalt ist sicherlich auch plausibel erklärbar, aber es geht hier nicht um Luftfilteranlagen, sondern es geht hier um Luftbefeuchtungseinrichtungen, die im Volksmund auch noch „Luftwäscher" genannt werden, faktisch aber nach meiner Ingenieurmeinung alles andere tun, als Luft zu waschen.

Für Ihre Mühwaltung bei der Beantwortung meiner Frage, bedanke ich mich im Voraus und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

S.F. F.

Antwort:

Sehr geehrter Herr F.

Sie fragen explizit und ausführlich nach der Sinnhaftigkeit mechanischer Befeuchtungseinrichtungen.

Aus Ihrer Sicht wird die Luft auf dem Weg in die Lunge ausreichend befeuchtet, so dass das Argument: „trockene Luft führe zu entsprechenden Entzündungen der Bronchialschleimhaut und der Lunge bzw. zu einer höheren Krankheitsanfälligkeit“ hinterfragt werden müsse.

Sie führen selbst korrekt aus, dass auf dem Weg in die Lunge unsere Umgebungsluft via Nase 100 %-ig mit Wasserdampf gesättigt wird. Das Problem ist also nicht die Lunge. Bei gestörter Nasenatmung kommt es allerdings zu einer unangenehmen und auch krankheitsfördernden Austrocknung der oberen und auch der unteren Luftwege, so dass eine Anfeuchtung der Umgebungsluft auf etwa 50 % sinnvoll erscheint. Dabei ist die eher kalte und trockene Außenluft im Winter nicht von Bedeutung, entscheidend ist die Luft in Innenräumen, die in den Wintermonaten in der Tat auf Werte unter 30 % Wasserdampfsättigung abfallen kann und dann als unangenehm empfunden wird, ja – auch medizinisch als nachteilig für die Luftwege (nicht für die Lunge) gelten muss.

Wenn die Nasenatmung gestört ist, z.B. bei Schnupfen oder bei Heuschnupfen, kommt es zur Austrocknung des Sekrets in den oberen Luftwegen und durchaus auch zu Husten und bronchitischen Beschwerden.

Allerdings ist dabei zu beachten, dass Luftbefeuchtungseinrichtungen ständig zu warten sind und in hygienischen Bedingungen zu entsprechen haben, da sie bei Besiedlung mit Bakterien und Pilzen Krankheitserreger in die Umgebungsluft abgeben können.

Für Hochgebirgsorte wie Davos ist eindeutig zu sagen, dass nicht die geringe Luftfeuchtigkeit als gesundheitsfördernd betrachtet wird, sondern die Armut an Luftschadstoffen (Feinstäube) und die Armut an Allergenen. So gibt es in einer Höhe von etwa 1500 m praktisch keine Hausstaubmilben, die wichtige Auslöser von asthmatischen Beschwerden sein können.

Mit freundlichen Grüßen

 

Prof. Dr. med. Helmut Fabel

Ehrenvorstand der Deutschen Lungenstiftung e.V.