Patienten fragen – Experten antworten

COPD - Einsatz von Ventilen

17.11.08

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in einer Sendung im NDR wurde das Thema: „ Neue Hilfe für Lungenkranke - Ventile erleichtern das Atmen“ behandelt mit folgender Beschreibung:

Das erste Symptom ist ein scheinbar harmloser Raucherhusten, aus dem sich eine chronische Bronchitis entwickelt. Schließlich verengt die dauerhafte Entzündung die Atemwege starker Raucher so sehr, dass eine chronisch obstruktive (verstopfende) Lungenerkrankung (COPD) entsteht. Die verbrauchte Luft bleibt durch die Verengungen in der Lunge gefangen, frische Atemluft kann kaum noch nachströmen, das empfindliche Lungengewebe verliert an Elastizität und wird überbläht - ein Lungenemphysem entsteht. Die Betroffenen leiden immer stärker an Atemnot, denn die  überblähten und schlaffen Lungenbläschen können nicht mehr am Gasaustausch teilnehmen. Ganze Lungenabschnitte verlieren ihre Funktion und müssen manchmal sogar in aufwendigen Operationen entfernt werden. Im Endstadium der Erkrankung bleibt als letzte Option nur noch die Lungentransplantation. Hierfür kommen allerdings nur sehr wenige Patienten in Frage. Jetzt macht ein neues Verfahren vielen Patienten Hoffnung. Lungenchirurgen setzen dabei im Rahmen einer Spiegelung der Bronchien winzige Titan-Ventile ein - ganz ohne Schnitt. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Anschließend sorgt das Ventil dafür, dass beim Einatmen keine weitere Luft in den bereits überblähten Lungenabschnitt eindringt während beim Ausatmen die darin enthaltene Luft ausströmen kam. So wird der funktionsuntüchtige Lungenabschnitt immer kleiner, der übrige gesunde Teil der Lunge kann sich wieder ausdehnen und mehr Luft aufnehmen. Eine Heilung ist zwar auch mit dieser neuen Methode nicht möglich, die Ventile können aber das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und die quälende Atemnot lindern.

Da ich auch zu diesem Patientenkreise gehöre, diese Methode aber nicht kenne, mein Arzt mir auch noch nichts davon gesagt hat, möchte ich Sie bitten, mir folgende Fragen zu beantworten:

Kennen Sie diese Methode?

Wissen Sie, wo sie schon einmal angewendet wurde?

Wenn ja, in welcher Klinik?

Gibt es Erfahrungen nach der Anwendung?

Geht es den Patienten danach besser?

Wenn Sie irgend etwas darüber wissen, bitte informieren Sie mich. Danke

Manfred F.

Antwort:

Sie fragen nach der Möglichkeit bei Einengung der Bronchien durch bronchoskopisch eingesetzte Ventile die Lungenfunktion zu verbessern. Es handelt sich dabei in der Tat noch um ein experimentelles Vorgehen. Zur Zeit laufen an einigen großen Lungenzentren entsprechende Untersuchungen. Ein abschließendes Urteil kann noch nicht gegeben werden.

Es ist also im Moment nur sinnvoll, dass Ergebnis der laufenden Studien abzuwarten. Ich weiß, dass eine entsprechende Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover läuft. In Ihrer Region könnten Sie am ehesten in der Pneumologischen Klinik der Universität Bochum nachfragen. Man kann allerdings jetzt schon sagen, dass man sich von der Einsetzung solcher Ventile keine Wunder, sondern allenfalls eine gewisse Besserung erwarten darf.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Helmut Fabel

Ehrenvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung e.V.