Patienten fragen – Experten antworten

Paraquat und das Auftreten von Lungenfibrose

09.06.08

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ein naher Verwandter ist an der Lungenfibrose gestorben. Er war Gärtner und hat über viele Jahre mit Paraquat gearbeitet. Gibt es gesicherte Erkenntnisse über die Geeignetheit von Paraquat beim Menschen Lungenfibrose auszulösen?

Ich danke Ihnen für Ihre Mühe im voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Erwin S, Hannover

Antwort:

Sehr geehrter Herr S,

In der Tat gibt es einen Zusammenhang von Paraquat und dem Auftreten einer Lungenfibrose. Zusammenhang: Paraquat ist in der Lage über sehr komplizierte und komplexe biochemische Wirkungen besonders an Körperzellen mit hohem Sauerstoffumsatz zu Entzündungsvorgängen zu führen, die dann später in einer Vernarbung des Gewebes (Fibrose) enden. Dies ist an der Lunge der Fall und die Lungenfibrose ist dann auch der begrenzende Faktor für das Leben bei einer schweren Vergiftung mit Paraquat.

Allerdings ist einschränkend zu sagen: die Aufnahme von Paraquat über die Atemwege und die Lunge im Sinne einer Flüssigkeitsverneblung (Tröpfcheninhalation) ist außerordentlich gering, dies liegt vor allem an der Tröpfchengröße von Paraquat, die einen Weg in den Lungenbläschenbereich nur sehr wenig zulässt. Paraquatvergiftungen gibt es demnach eigentlich nur noch Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt. Die Auswirkungen dann im Körper sind abhängig von der Menge und der Zeiteinheit. Also: im konkreten Fall Ihres verstorbenen Verwandten muss man klären, ob und wenn ja auf welche Weise und in welcher Menge Paraquat in ausreichendem Maße in den Körper gelangt ist. Dazu sollten Sie einen guten Lungenarzt und Arbeitsmediziner in Ihrer Nähe aufsuchen, u.U. wenden Sie sich an die Medizinische Hochschule Hannover, Abt. Pneumologie und nehmen dieses Antwortschreiben mit.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Prof.Dr.med.Harald Morr (Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Pneumologischen Klinik Waldhof Elgershausen, Greifenstein)